Donnerstag, 20. Februar 2014

Meine Geschichte

Nachdem ich nun also gleich aus dem Blauen heraus einfach einmal mit einem Rezept begonnen habe, hat sich die erste Aufregung gelegt, und ich traue mich, eine Einleitung hinterherzuschieben.
Ich bin aufgeregt, als müsse ich gleich einen Vortrag vor 1000 Leuten halten, in einem engen Kostüm, auf dem man jeden Schweißflecken sieht ... Immerhin sind dies meine ersten unsterblichen Worte im Internet, und das müssen nicht gleich unsterbliche Dummheiten sein, finde ich.
Etwas Wissenschaftliches in einem Buch zu veröffentlichen ist erstaunlich viel leichter, wie ich feststelle, obwohl ich gerade deswegen aus der wissenschaftlichen Welt ausgestiegen bin, weil ich lieber schreiben möchte, wie mir der Schnabel gewachsen ist.
Und damit bin ich bei meiner Geschichte.

Ihr seht es schon: Ich schreibe gern.
Deswegen ein Blog.

Außerdem koche und backe ich gern.
Deswegen ein Rezept-Blog.

Und zu guter letzt lebe ich seit 2007 glutenfrei und habe viele, viele Irrungen und Wirrungen durchlaufen auf dem Weg dahin, wo ich jetzt bin: ich höre auf meinen Körper und genieße das Essen, auch wenn es oft nicht so schmeckt, wie von früher gewohnt, sondern eben anders. Aber trotzdem oder gerade deswegen lecker. Und ohne unerwünschte Nebenwirkungen.
Deswegen ein Blog mit glutenfreien Gaumenfreuden, gesunden Naschereien (ja, die gibt's!) und praktischen Tips für einen fröhlichen glutenfreien, kuhmilchfreien Alltag.

Meine Safari durch den Dschungel der 1000 Ernährungswahrheiten und 10000 Ernährungsmythen, die oft kaum zu trennen sind, begann Anfang der 80er in Freiburg, der damaligen "Ökohauptstadt" Deutschlands.
Solange ich mich erinnern kann, wurde mir nach beinahe jedem Essen schlecht bis speiübel, was mich bereits mit 13 auf den "Ökotrip" brachte: Ich fand ein Reformkochbuch aus den 50ern, in dem eine Dame beschrieb, wie sie mit Reformkost ihre Magenprobleme behoben hatte. Die Ernährung, die sie beschrieb, unterschied sich von den Ernährungsgewohnheiten meiner Eltern wie der Nordpol von der Sahara, und ich kam zu dem Schluß, daß ich meine Ernährung umstellen müsse, um mich von meiner Dauerübelkeit zu befreien.

Also begann ich, mit Vollkorn und viel rohem Obst und Gemüse, Nußmus, Sojaprodukten, Müsliriegeln und was alles sonst in den 80ern als besonders gesund galt, zu experimentieren. Außerdem las ich jedes Buch über Ernährung, das ich finden konnte.
Das Ergebnis war, daß es kein Ergebnis gab.
Ich gewann viele Erkenntnisse, die jedoch mein Problem nicht lösten.
Mit vierzehn hatte ich eine Frustphase, in der ich einfach so gut wie gar nichts mehr aß, was sich jedoch naturgemäß als nicht längerfristig praktikabel herausstellte.
Also probierte ich - erfolglos - weiter.

Mit achtundzwanzig heiratete ich meinen Göttergatten, der Mediziner ist, und in dessen Biochemiebüchern ich mir die Antworten erhoffte, die ich bis dahin einfach nicht gefunden hatte.
Ich gewann noch mehr Erkenntnisse, die mir nicht weiterhalfen, bis ich endlich mit siebenunddreißig Gluten als den Übeltäter entlarvte, der mir mein kulinarisches Leben bis dahin versauert hatte.
Und siehe da, der Dauerbrechreiz verschwand!
Als ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Stück Kuchen aß, ohne daß mir davon schlecht wurde, hätte ich beinahe geweint vor Glück.
Doch die Freude währte nicht lange, da begannen plötzlich neue Probleme. Keine Übelkeit dieses Mal, sondern ich begann mich zur Biogasanlage zu entwickeln. Was mit schmerzhaften Krämpfen einherging und nicht immer sozial verträglich war.
Und nicht nur das.
Die seltsamsten Dinge passierten. Plötzlich waren meine Muskeln so schwach, daß ich kaum noch die Treppe hinauf kam. Ich war dauermüde, wurde nie satt und nahm ab, egal, wie viele Kalorien ich in mich hinein schaufelte.
Neue Tests, und plötzlich sollte Fructose, Fruchtzucker, die Wurzel allen Übels sein.
Also folgte eine Zeit sklavischer Fructoseabstinenz.
Was nicht wirklich half.
Irgendwann waren Dauermüdigkeit und Muskelprobleme erstaunlicherweise weg, ohne daß ich so recht wußte, warum. Dafür stellten sich plötzlich Gelenkprobleme ein.
Innerhalb kürzester Zeit mutierte ich von einer joggenden, yogatreibenden beweglichen Vierzigjährigen in eine uralte Frau, die nicht einmal mehr einen Fuß ins Waschbecken hieven konnte, weil die Hüftgelenke nicht mitmachten.
Dabei war ich, abgesehen von der Glutenintoleranz, gesund wie ein Fisch im Wasser. Kein Rheuma, keine Arthrose und keine sonstige exotischen Krankheiten, die das alles hätten erklären können.

Ich führte Ernährungsprotokolle, schrieb auf, wann ich welche Probleme hatte und versuchte verzweifelt, einen Zusammenhang zwischen meiner Ernährung und den immer wieder plötzlich auftretenden und dann erneut verschwindenden Magen-Darm und Gelenkproblemen zu finden.
Es gab aber keinen.
Was ich in der einen Woche problemlos vertrug, löste in der nächsten Woche Katastrophen aus.
Und irgendwann endlich dämmerte mir, daß meine Probleme schlimmer wurden, wenn ich PMS hatte.

Bis etwa zu meinem fünfunddreißigsten Lebensjahr hatte ich PMS für eine technische Sonderaustattung von Autos (wie ABS) oder eine bizarre Programmiersprache (wie PHP) gehalten. Wer weiß auch schon im Zeitalter von HTML, HDMI, DVBT und FTP, was von all den Abkürzungen eine neue Partei und was irgendein technisches Dings bezeichnet, das mir so fremd erscheint wie meiner Mama die Programmierung eines Videorecorders.
Ab fünfunddreißig jedoch bekam ich eine Woche vor meiner Periode seltsame Symptome, die ich bis dahin nicht gekannt hatte und die im Lauf der Jahre immer aufdringlicher wurden, bis ich mich schließlich mit Anfang vierzig in einer Art Dauer-PMS-Zustand befand.
Auf meine vorsichtige Anfrage beim Frauenarzt, ob das vielleicht der Beginn der Wechseljahre sein könnte, kam "Nö. Ihre Periode ist doch regelmäßig. Außerdem sind Sie viel zu jung."
Interessant, weil mir ansonsten immer mein Untergewicht und der extreme Mangel an Körperfett vorgehalten und alle meine Probleme darauf geschoben wurden. Daß jedoch Mangel an Körperfett auch einen Mangel an Hormonen zur Folge haben könne, auf die Idee mußte ich selbst kommen.
Was ich dann auch tat.

Nach dem Motto "Selbst ist die Frau" besorgte ich mir einen Hormon-Speicheltest, und siehe da, das Ergebnis lautete: Sie sind sowas von total in den Wechseljahren!
Und ja, man kann trotzdem eine regelmäßige Blutung haben. Und ja, die Begleiterscheinungen können neben Hitzewallungen (die ich schon mit 20 hatte) Muskelschmerzen, Muskelschwäche, Magen-Darm-Probleme, plötzliche Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, Wassereinlagerungen und Gelenkschmerzen sein.
Super.
Ne, wirklich, das ist nicht zynisch gemeint. Ich fand das wirklich super, denn endlich wußte ich, woran ich war und was ich machen konnte.
Schluß mit der vollkommen sinnlosen Suche nach Nahrungsmittelunverträglichkeiten, die gar nicht wirklich da waren.
Ich entschied, mich auf gluten- und kuhmilchfreie Ernährung zu beschränken und ansonsten darauf zu hören, was mein Körper gerade sagt.
Und seit ich weiß, daß, wenn ich dicke Beine habe, die Hose plötzlich eng wird und die Waage sprunghaft drei Kilo mehr als sonst zeigt, meine Verträglichkeit für so ziemlich alles gegen Null geht, rege ich mich nicht mehr auf, sondern lasse eben alles weg, wovon ich weiß, daß es dann problematisch werden könnte (Hülsenfrüchte, Kohl, viel Rohkost, viel Fett und so weiter).

Warum ich das alles lang und breit erzähle?
Weil ich weiß, daß es da draußen viele gibt, denen es ähnlich ergeht und die auf vergleichbare Geschichten blicken können.
Und weil ich damit sagen will, daß Unverträglichkeiten sehr viele verschiedene Ursachen haben und man sehr viel gewinnt, wenn man lernt, auf seinen Körper zu hören.
Früher habe ich die leise warnende Stimme ignoriert, die mir zuflüsterte, daß Rohkost jetzt eine blöde Idee sein könnte. Schließlich sagte mir mein Verstand, daß Rohkost gesund ist.
Mein Verstand sagte mir auch, daß ja der Fructosetoleranztest gezeigt hatte, ich leide unter einer Fructosemalabsorption. Obwohl mein Gefühl meckerte, daß das Quatsch sei, weil ich niemals mit Äpfeln Probleme hatte - und Äpfel sind für Leute mit Fructosemalabsorption das, was für Leute mit Zöliakie ein Weizenvollkornbrötchen ist.
So könnte ich endlos weitermachen, aber ich denke, es reicht.


Mein Blog soll denen Mut machen, die sich mit Unverträglichkeiten herumschlagen und befürchten, ihr Leben sei nun trist und traurig, weil sie auf viele vertraute und geliebte Dinge verzichten müssen, weil der Alltag komplizierter wird und weil sie plötzlich viel Zeit damit zubringen müssen, Dinge selbst zu machen, statt sie fertig zu kaufen.

Und natürlich möchte ich die Welt mit gesunden Naschereien ein wenig fröhlicher machen :-)

In diesem Sinne
"Happy Cooking and Baking"!

Mia

Edit 12.10.2014: Ich habe mich entschlossen, Affiliate-Links aufzunehmen, was bedeutet, daß ich eine kleine Provision bekomme, falls jemand den Link anklickt und sich dann zum Kauf eines Produktes entschließt. Auf diese Weise habe ich selbst in anderen Blogs Entdeckungen gemacht, die ich sehr nützlich fand, und ich finde es total okay, wenn jemand, der mir auf diese Weise einen Gefallen tut, auch etwas davon hat.
Wenn ich nun also etwas wirklich richtig gut finde und denke, daß andere damit ebenso glücklich sein könnten wie ich, empfehle ich es weiter. Ich gebe natürlich auch Empfehlungen, für die ich nichts bekomme außer dem Gefühl, anderen einen Gefallen getan zu haben, aber wenn ich für einen Affiliate-Link etwas bekomme, finde ich es bei mir selbst ebenso okay wie bei anderen.

Im Impressum erscheint nun der Name meines Mannes, weil er der Geschäftsmann ist - ich bin der Federhalter, der am liebsten im Hintergrund kocht, bäckt, wissenschaftliches Zeug liest und wissenschaftliches oder sonstiges Zeug schreibt und die Steuererklärung macht und *keine* Lust auf steuerliche Verwirrungen hat oder wegen ein paar Euro einen eigenen Kleinbetrieb anmelden will ...

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